Tanzzauber und Pointenfeuerwerk














Dann ging es auch schon richtig los: Herzallerliebst tanzte sich die Minigarde in die Herzen des Publikums. Die „diplomierte Flohzirkusdirektorin“ Sarah Stier hatte als Trainerin wieder ganze Arbeit geleistet, wie nicht nur Conférencier Carsten Wipfler fand. Dass statt der zwölf nur elf kleine Tänzerinnen über die Bühne fegten, hatte einen etwas traurigen Grund: Ein Mädchen musste pausieren, weil es vom Klettergerüst gefallen war. Zum Trost durfte es stellvertretend den Orden in Empfang nehmen.

Dass die Garden ein echtes Aushängeschild der Rauenberger Fastnacht sind, das machten auch die weiteren Auftritte deutlich: Die Juniorengarde erntete mit ihrem schmissigen Tanz zum Gabalier-Hit „Hulapalu“ Jubelrufe für jeden Spagat und jede akrobatische Figur. Gleiches galt für die Prinzengarde. Hier wie da waren eine Saalrakete und Zugaben fällig. Wie meinte doch Conférencier Carsten Wipfler: „Wir brauchen uns mit unseren Garden vor keinem Karnevalsverein zu verstecken.“ Recht hat er. Und erst das Männerballett: Als „Schippendales“ ließen die „Herren der Schöpfung“ der „etwas lasziven Erotik der Bauarbeiter“ freien Lauf – einfach umwerfend. Auch sie durften ohne Zugabe nicht von der Bühne. Dass sämtliche Tanzformationen mit Beifall überschüttet wurden, war sicher auch das Verdienst der Trainerinnen Heike Hartmann (Männerballett), Nicole Kachler (Prinzengarde) sowie Sarah Stier (Juniorengarde), nicht zu vergessen die „Mutter der Garden“, Andrea Stier.

Auch die Büttenasse geizten an diesem Abend nicht mit Pointen: Die Rolle des „Eisbrechers“ übernahm Wolfgang Rößler. Als fleißiger Zeitungsleser wusste er genau, was die Stunde geschlagen hat: „Vorbei isch’s mit de rosige Zeite. Die Stadt Rauenberg isch jetzt pleite. Nur die Malscheberger mone, sie hewwe noch Geld und hewwe gleich e neis Feierwehrhaus bestellt.“ Nahm Wolfgang Rößler vor allem das Ortsgeschehen auf die Schippe, so philosophierte Christa Schäffner („Malschenbergs First Lady“) über die großen und kleinen Unterschiede zwischen Mann und Frau – etwa über die besonderen „Gene“ der Männer wie: „fremdgehn, saufen gehn, nicht nach Hause gehn ...“ Frauen hingegen sind „wie Wirbelstürme“: Sie nehmen „Autos und ganze Häuser mit“. Auch die lieben Nachbarn bekamen einiges auf die Mütze. Die Mühlhausener zum Beispiel: Die haben ihre Schule nur deshalb auf den Berg gebaut, damit sie auch einmal sagen können, sie sind auf eine höhere Schule gegangen.

Christian Kollenz wiederum nahm als „König von Rauenberg“ in seiner politischen Büttenrede Rathaus und Ratskollegen aufs Korn, beklagte gleichfalls die leeren Kassen („Die Stadt muss spare noch und nöcher, selbst die Schlossstroß hot schun Haushaltslöcher“) und bat vorsichtshalber schon mal um Verzeihung für so manchen kleinen „Seithelhieb“ – „denn eigentlich haben wir uns doch alle so lieb“. Wie Conférencier Carsten Wipfler verriet, hatten Christian Wirth und Anja Bieberle (alias Prinz Christian und Klara Schnaps) zunächst noch befürchtet, dass in Rauenberg das ganze letzte Jahr über „nix passiert“ wäre. Aber dann reichte es doch für eine ganze Büttenrede. Kostprobe gefällig? „Die Stadt war nicht sehr helle, erhöhte die Weihnachtsmarkt-Preise ganz auf die Schnelle“. So ging es munter weiter, inklusive einer köstlichen Lehrstunde in Rauenberger Dialekt.

Damit näherte sich so langsam das grandiose Finale, das die „Scheierborzler“ (Dirigent Kai Spannagel) mit ihren schmissigen Stimmungsliedern einläuteten – mitreißend gesungen vom perfekt eingespielten Gesangsduo Rolf Sautner und Karlheinz Hartmann. Letzterer ist ein wahres Urgestein der Rauenberger Fastnacht, war der allererste Faschingsprinz und ist seit der ersten Prunksitzung mit an Bord. Dass er auch ein wahres Naturtalent in der Bütt ist, stellte er als „Gammler“ einmal mehr unter Beweis. Sein Motto: „Die Waschküch und des Bad verrammelt. Hinaus in die Welt wird jetzt gegammelt.“ Prachtvoll anzuschauen waren danach die „Show Pearls“ aus Östringen von den befreundeten „Wicker Wacker“, die in ihren Petticoats und Collegejacken eine kesse Sohle aufs Parkett legten: Twist und Rock’n’Roll animierten geradezu zum Mittanzen (Einstudierung Valeria Stimatini).

Bevor jedoch das Publikum selbst zu den Klängen der dreiköpfigen Combo „VIP-Club“ das Tanzbein schwang, sorgte das Rauenberger Fanfarenkorps unter Hans-Peter Menges noch einmal für mächtig Stimmung (eine Guggenmusik ist nichts dagegen) und der souveräne Conférencier Carsten Wipfler konnte zum großen Finale noch einmal alle Aktive auf die Bühne bitten. Fazit: Schön war’s wieder beim Musikverein.

Mit freundlicher Genehmigung des Autors.