Musikkapellen präsentierten einen bunten Melodien-Straus

© Jan A. Pfeifer
© Jan A. Pfeifer

© Jan A. Pfeifer

Musikverein gab Abschiedskonzert mit und für Dirigenten Lagas

Rauenberg. (BeSt) Zu seinem traditionellen Adventskonzert hatte der Musikverein erstmals in die Kulturhalle geladen und begeisterte mit beiden Kapellen sowie einem abwechslungsreichen Programm die Zuhörer.

Mit der Eröffnungsfanfare und dem darauf aufbauenden Hymnus des „Vita pro Musica“ begrüßte die große Kapelle des Musikvereins seine Gäste. Das Stück in einem Arrangement von Thiemo Kraas wiederholte reprisenhaft das Anfangsthema im Marschteil des Stücks bevor ein gekonntes und klangvolles Ende durch Dirigent David Lagas herbeigeführt wurde. Zuvor hatte Christina Hammer im Namen des Vereins willkommen geheißen und führte anschließend gekonnt und abwechslungsreich mit viel Expertise durchs Programm.

© Jan A. Pfeifer
© Jan A. Pfeifer

© Jan A. Pfeifer

Das Stück „Hindenburg“ (arr. Michael Geisler) erinnerte an die letzte Fahrt des Zeppelins Hindenburg von Deutschland nach Lakehurst 1937. Huldvoll ließ das Orchester das beeindruckend große Luftschiff vor dem inneren Auge des Zuhörers entstehen, Flöten- und Klarinetten-Soli stellten die luxuriöse ruhige Überfahrt dar, das aufkommende Gewitter beschäftigte das Tiefbecken, bevor die Musiker mit ihren Stimmen die Hilferufe der verunglückten Fahrgäste darstellten. Trauervoll stimmten zunächst die Klarinetten nach der Katastrophe ein und das Trompetensolo (von Jan Thomé) gedachte der Verunglückten. Die Erinnerung an diese Zeit des lautlosen Luxusreisens in Luftschiffen hielt das Orchester mit seiner Endfanfare wach.

Der Wechsel zwischen Dur- und Moll-Akkorden prägte den „A Klezmer Karneval“ (arr. Philip Sparke), eine Zeitreise in die jüdische Seele. Musikalisch gekonnt verband der Musikverein die drei Teile Trauer, Hochzeit und Scherentanz des Stücks und ließ erahnen, welch bunte jüdische Kultur einst in Osteuropa geherrscht haben muss.

Eines der erfolgreichsten Stücke der modernen Blasmusik „Moments für Morricone“ (arr. Johan de Meij) gewährte einen abwechslungsreichen Ritt durch die Italowestern Ennio Morricones, dabei gelang es den Musikern so machen Erinnerung in den Zuschauern zu wecken.

© Jan A. Pfeifer
© Jan A. Pfeifer

© Jan A. Pfeifer

Für 20 Jahre aktive Vereinszugehörigkeit ehrte Karin Eschelbacher vom Blasmusikverband Rhein-Neckar Benjamin Beisel mit der silbernen Ehrennadel des Landes-Blasmusikverbandes und überbrachte zugleich Glückwünsche des Kreisverbandes für solch langjährige Arbeit an der Musik in Rauenberg. Im Namen des Musikvereins konnte Alexander Stier für 20 Jahre fördernde Mitgliedschaft Maria Zeeb, Christiane Hütt-Berger, Annemarie und Werner Hillenbrand sowie Sebastian, Monika und Rudolf Beisel, sowie Martina und Joachim Funkert ehren. Otto Göbel wurde für 40 Jahre passive Vereinszugehörigkeit besonders bedacht.

Nach der Pause präsentierte sich das vereinseigene Jugendorchester solide mit „The Brandenburger Gate“ und brachte mit diesem Marsch von Johnnie Vinson zugleich ein Hoch auf die deutsche Gemütlichkeit.

Das Arrangement von Michael Sweeney „Les Miserables“, welches auf den französischen Roman Victor Hugos von 1862 zurückgeht und seine musikalischen Wurzeln im 1980 veröffentlichten Musical hat, erzählte die Geschichte des Häftlings Valjean: Nach einer klangvollen Ouvertüre begeisterten die sanften Töne der Flöten und Klarinetten welch,e von einem Glockenspiel untermalt wurden. Nach abwechslungsreichen Klangsequenzen, welche die volle Konzentration des jungen Orchesters in Anspruch nahm, fand das Stück in einem harmonischen Einklang sein Finale.

Mit dem Radiosong „Viva la vida“ der britischen Pop-Rock-Band Coldplay verabschiedeten sich die Nachwuchsmusiker mit begeisternde Mit-Wipp-Musik.

© Jan A. Pfeifer
© Jan A. Pfeifer

© Jan A. Pfeifer

Das Hauptorchester ließ in seinem zweiten Konzertteil zunächst die Klassikfans auf ihre Kosten kommen: Der durch seinen klaren Aufbau, Einfallsreichtum und vielfältigen Tonfarben bestechende Konzertmarsch „Alte Kameraden“ gilt als populärster deutscher Konzert- sowie Militärmarsch und darf auch bei keinem Festzug fehlen. Ganz im Sinne der Egerländer Musikanten arrangierte die Kapelle ebenso klassisch die Polka „Graslitzer Musikanten“. Dass der Rauenberger Musikverein inzwischen aber nicht nur in den klassischen Bereichen gut aufgestellt ist, sondern ein breites Genre-Spektrum bespielen kann, bewies er zuvor mit dem Medley „Golden Swing Time“ von Steve McMillan. Bereits ab dem ersten Takt folgte das Publikum swing-voll wippend in der Kulturhalle seiner „Big Band“ und dem bunten Melodien-Straus der bekanntesten Lieder der Swing-Ära, die in den 1920er-Jahren aus dem Selbstbewusstsein der US-Afroamerikaner und dem Jazz hervorging und in der deutschen Wirtschaftswunderzeit ihren Höhepunkt fand.

Am Ende des Konzerts dankte Alexander Stier im Namen des Vereins allen am Konzert beteiligten und gab bekannt, dass dieser Abend zugleich das Abschiedskonzert des bisherigen Dirigenten David Lagas gewesen sei. Dankbar könne der Musikverein auf die erfüllte gemeinsame Zeit zurück blicken, denn in den vergangenen sieben Jahren habe sich die Kapelle technisch und musikalisch enorm weiter entwickelt, so Stier.